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Episoden

Herzliches Wiedersehen.....

Bis zum Mittag sitzen wir in der Küche und reden...
Plötzlich hören wir das Schließen an der Tür..hören wie sie aufschlägt, einen leisen russischen Fluch und dann ein Poltern. Lena kneift die Augen zusammen und springt auf. Schaut um die Ecke in den Flur und fängt an zu lachen.
Elena kommt mit einer grossen Kiste an Lebensmittel in die Wohnung. Als sie mich sieht erhellt sich ihre Mine und sie lächelt mich an. "Hey,Silvio....schön,dass du da bist!" Sie umarmt mich ganz herzlich. "Hattest du eine gute Reise, ja ?" Ich bejahe es und freu mich auch, sie wiederzusehen. Ich helfe ihr die grosse Kiste in die Küche zu schleppen, die Lena dort misstrauisch beäugt. "Willst du eine Kosaken-Kompanie mit den ganzen Lebensmitteln versorgen...wir haben doch schon so viel eingekauft ?" Elena lächelt mild: "Wollen wir nun das Neue Jahr feiern oder nicht ?" Ich hab von Lena schon erfahren, dass wir in der Wohnung feiern und eine Menge gute Freunde und Kollegen zu Besuch kommen. Allerdings handverlesen, denn die Mädchen wollen keine Sauforgie sondern eine richtig tolle Party. "Bis zu 20 Leute werden wir sein.. meint Elena...es könnten auch mehr werden" Lena schmiegt sich an mich und sagt: "Verstehst du nun, warum ich dich unbedingt auch dabei haben wollte...ich wäre sonst soooo einsam gewesen !" Sie zieht ein so süsses Schmollgesicht dabei. "Ist Nastja noch nicht da ?" fragt Elena. "Nein, sie kommt gegen Nachmittag " antwortet Lena. Elena legt mir die Hand auf die Schulter: "Bist du so lieb und hilfst mir die 2. Kiste aus dem Auto zu holen ?" Lena runzelt die Stirn: "Waaas, noch eine ?" Elena schmunzelt nur...
.....Nastja ist wie immer ! Fröhlich und immer "vor-sich-her-summend". Sie hat das Haar streng nach hinten und einen halbgeflochtenen Zopf mit Schleifchen in der Mitte und am Ende. Es steht ihr gut und ich sage ihr, wie toll sie ausschaut..Sie wird leicht rot im Gesicht, lächelt, umarmt mich und gibt mir jeweils ein Küsschen auf beide Wangen. Sie duftet blumig. Dann schaut sie mich an und fragt los: "Wie es mir geht, ob ich einen guten Flug hatte, ob Lena mich auch nicht geärgert hat und wie schön sie es findet, dass ich da bin"...alles in einem Misch-Masch aus Deutsch, Russisch und Englisch. Ich finds richtig rührend...es ist einfach toll, wenn man spürt, wirklich ehrlich willkommen zu sein. Es ist auch jetzt hier sehr schwer zu beschreiben. Maximal andeuten kann ich es. Zumal ich ja in so einer WG, in der sonst 3 Mädels ihren Alltag verbringen, als Mann ja doch auch ein "Fremdkörper" sein könnte. Aber dieses Gefühl kam, bei meinen beiden Besuchen, bisher zu keiner Sekunde auf. Noch nicht mal beim "Kampf ums Badezimmer" ;-)
Lena zieht Nastja sanft am Zopf und gibt ihr einen Klaps auf den Po und sagt: "Eta moi Suprug "(Das ist mein Mann) und zwinkert. Nastja lächelt keck und lässt mich los, da sie immer noch an mir "hängt". Sie schaut Lena listig an und streichelt sie dann über die Wange. Dann zwinkert sie mir zu.  Das sind so Szenen, die ich irgendwie richtig niedlich finde. Ich weiss genau, dass Lena nicht eifersüchtig ist, auf Nastja..im Gegenteil, sie weiss genau wie die "Kleine" das meint, nämlich ganz harmlos, aber diese Neckerei ist einfach süss. Ich freue mich über Nastjas Avancen natürlich auch immer irgendwie  ;-) Außerdem genießt sie Komplimente wie ein Stück Schokolade, welches sie auf der Zunge zergehen lässt. Daher tu ichs immer wieder gern. Ist eben auch so ein eigenartiges "Deja-vu"... denn Lena hat das damals auch immer so drauf gehabt wie Nastja und Katjuschka wusste auch immer wie es gemeint war.....
.....Nastja will ein wenig "um die Häuser ziehen" ,am frühen Abend, und bettelt solange bis wir mitkommen. Elena meint: "Aber nicht soo lange, wir haben morgen zu tun !"  Die Mädels putzen sich heraus und rufen noch ein paar Freunde an, mit denen wir uns treffen wollen...dann gehts los...es wird lange und schön und auch Elena vergisst ganz schnell ihren Vorsatz, weil, Zeit... ist oft eine dehnbare Relative in Russland ;-)
11.2.08 16:44


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Die Sinnlichkeit der Nacht...

Eigentlich müsste ich müde sein. Es ist schon spät..tief in der Nacht. Wir stehen im halbdunklen Flur und ich genieße diese "erfüllte Sehnsucht" weil mir Lena so nah ist. Es ist so vertraut und dennoch immer wieder neu. Es wird immer ein Hauch von Ungewohntheit dabei bleiben. Unsere gemeinsame Geschichte besteht ja schließlich länger aus Freundschaft als aus Liebe. Natürlich fand ich Lena schon immer sehr reizvoll...auch damals schon, in unserer Berliner Zeit. Aber das war etwas völlig anderes..eher eine "Feststellung". Ich denke oft an Situationen, in denen Lena uns...Katharina und mich.. bald in den Wahnsinn getrieben hat mit ihrer verrückten Art. Dann wieder ihre Anlehnungsbedürftigkeit. Oft so wie Nastja jetzt immer. Es ist schon manchmal ein Deja-vu. Manchmal denke ich, ich bin süchtig nach dieser Art von "slawischer Weiblichkeit" , sei sie nun platonisch oder auch nicht. Es ist in beiden Fällen hochgradig wohltuend, ungewöhnlich schön und etwas ganz Besonderes. Wenn ichs beschreiben müsste, bräuchte ich nur für dieses Thema einen neuen Weblog. ;-)
Bei dem wundervollen, blonden Wesen , welches ich gerade im Halbdunkel des Flures in einer Moskauer Wohnung im Arm halte, weiß ich definitiv, dass sie nichts Platonisches im Sinn führt. Lena kann unglaublich sinnlich dreinschauen. Dieser Gesichtsausdruck ist dann Herausforderung, Verlangen und Begierde in einem. Lena krallt sich an mir fest und ich spüre sie ganz nah . Ich streichel ihren Nacken und ziehe an dem flauschigen Gummi der ihr Haar zu einem Schwänzchen zusammenhält. Es fällt auseinander und umrahmt nun ihr Lächeln. Das längere Haar steht ihr gut und ich weiss, dass sie sich die Haare auch für mich wieder länger wachsen lässt, weil es mir gefällt. Nur weil ich es mal nebenbei erwähnt hatte. Dabei find ich sie mit jeder Frisur schön. Lena sieht reizvoll aus, in ihrer roten Bluse und ihrem dunklen Rock. So elegant und so weiblich..so wunderschön.. einfach. Russische Frauen bemühen sich ständig um Eleganz. Egal wie und wo und es wird mir immer ein Rätsel bleiben, mit welcher Schlichtheit es ihnen gelingt. Lenas Griff wird fester und ich werde wieder einmal von ihrem Verlangen und ihrer Wildheit "überrascht", wobei ich schon die Zeichen kenne, denn es ist ein "Spielchen" zwischen uns ..ohne Worte, was gerade den Reiz ausmacht und selbigen auf ein absolutes Höchstmaß treibt. Lena kann erschreckend wild und verrückt sein und sofort wieder in totale Sinnlichkeit und sanfteste Zärtlichkeit verfallen. Dieses Wechselspiel beherrscht sie unglaublich und in schwindelerregender Abwechslung und sie ist "erbarmungslos" dabei.
Es ist sicher nicht DER verrückteste Ort aber schon etwas ungewöhnlich, der Leidenschaft in einem halbdunklen Flur nachzugehen...auch wenn ich dabei noch aufpassen muss, dass nicht irgendwelche Dinge zu Bruch gehen...denn Lena scheint das völlig egal zu sein in diesem Moment. Aber es ist ,glaub ich, sehr sehr schwer, den anderen Mädchen einigermaßen glaubhaft zu erklären , wie denn so eine ganze Kommode umkippen konnte. Sie tat es nicht..glücklicherweise, und somit gerieten wie auch nicht in Erklärungsnot ;-)
Später sitzen wir auf der Couch , die wir uns ans Fenster gezogen haben, und schauen in die Nacht. Lena summt ein Lied und träumt vor sich hin. Sie kommt mir vor wie ein sanftes Kätzchen, das schnurrt, weil ich ihr die ganze Zeit den Haaransatz im Nacken kraule. Als ich aufhöre, spricht der Blick aus ihren blauen Kulleraugen Bände der Entrüstung. Ich geb ihr einen Kuss und sage: "Es war ein schönes Jahr...besonders durch dich, mein Schatz !" Sie summt weiter und nickt dabei. "Moskauer Nächte"...wie passend..ein Klassiker. Ich sprech sie darauf an, sie lässt sich nicht stören und summt zu Ende. Dann sagt sie leise: "Kennst dus noch ja ?" Ich lache: "Natürlich, ich habs nicht vergessen, wie du Katjuschka dazu in Champanger-und Heimwehlaune inspiriert hast, es auf eurer Terrasse zu singen !" Sie lacht und hopst mit leuchtenden Augen in den Schneidersitz: "Jaaaa..und du hast geschaut, als wenn wir völlig bescheuert wären..dabei warst du nur neidisch weil du den Text nicht mitsingen konntest !" Ich sage: "Ja, gut...war sicher grad mal wieder nicht meine Muttersprache ." Sie stubbst mich: "Ach lass mal, so schlecht bist du auch nicht und du hast ja mich !" Sie seufzt und lässt ihren Kopf auf meine Schulter fallen. Sie summt wieder was, diesmal weiß ich aber nicht was, ist auch egal, ich genieße nur eins...ihre Nähe !
9.2.08 16:56


Gastfreundschaft....

Die Wohnung wirkt so vertraut...noch von meinem letzten Besuch. Die Geräusche z.B. das Ticken der grossen Uhr. Es ist komisch zu beschreiben, aber ich habe zu Hause oft an das Ticken dieser Uhr gedacht und es mir gewünscht. Nun hör ich dieses Geräusch. Kombiniert mit all den anderen sinnlichen Eindrücken. In der Wohnung der 3 Mädchen liegt ständig ein blumiger Duft...kombiniert mit etwas Citrus...es ist komisch aber ich könnte diese sinnlichen Aspekte unter Millionen anderer herausfiltern. Es ist ganz still und dunkel, als wir die Wohnung betreten. Lena macht den ersten Lärm, als sie ihre Schuhe in die Schuhecke schmeisst. Fast bin ich dabei, sie dafür zu kritisieren,aber dann erinner ich mich doch ganz schnell,dass ich der Gast bin, wobei ich als Gast in Russland immer einen höheren Status habe. Es gibt eine bezeichnende Geschichte zur russischen Gastfreundschaft......"Der Sohn einer Familie wird ermordet aufgefunden...es ist der Einzige und seine Eltern sind alt und voller Trauer. Am selben Abend klopft ein Fremder in der verschneiten und eisigen Nacht an die Tür der trauernden Familie. Die Familie nimmt ihn, trotz ihrer tiefen Trauer, auf. Sie bewirtet ihn und bietet ihm ein Nachtlager an. Mitten in der Nacht, als der Schneesturm am schlimmsten ist, klopft es abermals an die Tür der Familie und die Nachbarn sind es, die den Mörder gesehen haben und ihn gejagd haben müssen mit Entsetzen festestellen, dass es der Fremde ist, den die trauernde Familie beherbergt. Zu ihrem Erstaunen hören sie die Worte des Hausherrn: "Er ist unser Gast...wir werden ihm alles Gute zuteil werden lassen, solange er unser Gast ist. Er soll bei uns schlafen und essen und trinken und es soll ihm an nichts fehlen....denn, er ist unser Gast. Erst wenn er unser Haus verlassen hat, werden wir ihn jagen und dem Richter übergeben. Solange er unser Gast ist geniesst er aber unsere Gastfreundschaft !" .........Eine Geschichte, die oft erzählt wird und die Grenzenlosigkeit und das Prinzip russischer Gastfreundschaft beschreibt. Ihr könnt euch jetzt auch sicher vorstellen, wie hoch ein Freund in Russland als Gast geschätzt wird.....
6.2.08 20:58


Unterwegs im nächtlichen Moskau....

Wieder einmal steigen wir in Lenas Fiat. Ich stell fest, dass es für mich nun schon eine schöne Gewohnheit ist. Es gibt Situationen die lernt man erst richtig genießen, wenn man sie bewusst mehrere Male erlebt hat. Bevor Lena los fährt, streichel ich über ihren Arm. Sie hält kurz inne und schaut mich an. Sie lächelt. "Warte mal ganz kurz" sag ich zu ihr. Ich hab in diesem Moment das Bedürfniss sie anzuschauen. Sie sieht süß aus. Mit ihrer roten Mütze aus deren Rand ihre blonden Haare rutschen. Ich streichel sanft über genau diese Haarsträhne. Sie hat die Haare wieder länger,wie früher. Dann seh ich ihre blauen Augen die das Licht der Laterne wiederspiegeln unter der wir parken. Ich streichel ihre Wangen und zieh sie zu mir ran um ihr einen Kuss zu geben. Es fühlt sich so vertraut an, es schmeckt vertraut und es duftet vertraut. "Mit allen Sinnen geniessen"...dieser Satz bekommt eine ganz besondere Bedeutung. Lena schaut etwas skeptisch. Ich liebe diesen Blick. "Ist was besonderes an mir ?" fragt sie. "Du bist für mich immer wieder was Besonderes !" sag ich ihr...und auch wenn es klischeehaft klingt...ich mein es wirklich ernst in diesem Moment, weil ich mich so durch und durch geborgen fühle. Ja, auch Männer suchen Geborgenheit bei einer Frau...und, ich glaub das hat nichts mit Schwäche zu tun ,sondern einfach nur was mit einem Bedürfniss,das alle Menschen haben.
Wir fahren durch das nächtliche Moskau. Lena fährt ungewohnt entspannt und wir reden nicht viel. Ich geniesse einfach Lenas Gegenwart und sie belohnt es mit einem warmen Lächeln.
Mir fallen an den grösseren Plätzen die "Weihnachtsbäume" auf. Jolka...das russische Neujahrsfest. Es hat wenig mit Weihnachten zu tun, denn das orthodoxe Weihnachtsfest ist erst um den 6.1. herum. Wir stehen an einer Ampel und Lena lächelt zu mir rüber: "Wir sind übrigens allein...Nastja und Elena sind bei Verwandten" Ich sage: "Doch nicht etwas wegen meinem Besuch !" Lena lacht und zwinkert: "Ja und Nein...natürlich wollen sie , dass wir auch mal für uns sind..aber...hauptsächlich...." Weiter kommt sie nicht, denn es klopft wie wild an unsere Scheibe.Davor etliche Kinder die etwas rufen, was ich nicht verstehe. Sie schauen aggressiv und mit wütender Mine. Sie sehen verwahrlost aus und haben leere Augen. Ich schaue einem, ein blonder Junge von vielleicht 14 Jahren, direkt in die Augen und erschrecke vor dieser Leere. Er schaut wie ein Zombie.  Lena erschrickt ebenfalls, hupt wie wild zur Warnung, zischt einen Fluch und fährt erst langsam,dann, als die Kinder wegspringen, zügig an ..ignoriert die rote Ampel und fährt über die Kreuzung....Moskauer Strassenkinder....Lena sagt: "Wenn sie besonders zugedröhnt sind, töten sie für nur einen Rubel !"  Ich sehe , wie erschrocken sie ist. Grade eben haben wir das hässliche Gesicht dieser Stadt gesehen..die Schande. Es gibt unzählige dieser Kinder in Moskaus Strassen. Kaum jemand kümmert sich um sie..ein paar Hilfsorganisationen...die Kirche...aber ansonsten niemand.  
Lena greift in die Ablage neben sich und sucht ihre Kaugummis. Ich weiss, sie ist nun wirklich nervös.  Ich seh WIE erschrocken sie ist.  "Scheiss Gegend hier..ich glaub ich fahr lieber einen anderen Weg." Ich streichel sie. Sie bemüht sich um ein Lächeln,aber es fällt dürftig aus. Wir fahren durch das glänzende Moskau.Hell, leuchtend , prunkvoll und schön.  Lena gewinnt ihre Fassung wieder. und... ihr gelingt etwas, was sie immer schon gut konnte....sie knüpft an den Satz an, den sie vor der Episode mit den Strassenkindern gesagt hat: "...aber hauptsächlich wollen sie ihre Neujahrsbesuche absolvieren, weil wir ja zusammen feiern wollen." Sie lächelt wieder. "Aber ich freu mich darauf, mit dir die Wohnung bis morgen nachmittag allein zu haben ."
Als wir einparken fühl ich mich wieder einmal zu Hause. Als wir aussteigen atme ich die kalte Luft ein. Irgendwie kann ich trotzdem die Augen dieses Jungen nicht vergessen und stell mir vor, wo er nun sein mag...irgendwo in einem dreckigen Unterschlupf....  
Die kalte Luft riecht sauber aber dennoch nach Grossstadt. Sie riecht nach Moskau. Ich zerre meinen Koffer aus dem Kofferraum und freu mich da zu sein. Ich freu mich wieder bei Lena zu sein. Es wird, wie gesagt, langsam zur Gewohnheit und ich fühle mich vertraut.
5.2.08 21:32


Unterwegs....

Wieder mal unterwegs...das alte Jahr geht zu Ende und ich hab auf mein Gefühl gehört und flieg nach Moskau. Irgendwie ist es schön, denn es ist so eine gelassene und ruhige Stimmung auf dem Flughafen, "zwischen den Jahren". Es ist am frühen Abend. Eigentlich wollte ich früher fliegen,aber es gab eine Änderung. Nun bin ich auch nicht so böse, nur ist es blöd,weil es in Moskau 2 Stunden später ist und Lena mich abholen muss, so spät. Ich sitze vor dem Gate, an dem mein Flug ausgezeichnet ist, lese Zeitung und trinke einen Kaffee. Plötzlich holpert ein kleines Auto über meinen Fuss und die Frau, die sich mit ihrem Mann eben noch auf Russisch unterhalten hat, schimpft ihr Kind, ein Mädchen von vielleicht 9 Jahren, aus...auf Deutsch. Das Mädchen antwortet in einem akzentfreien Deutsch. Eine lustige Episode. Die Frau entschuldigt sich bei mir. Ich lege die Zeitung weg und unterhalte mich ein wenig. Es sind Spätaussiedler, wie ich erfahre. Wir haben das selbe Ziel. Irgendwie vertraut ist das...sie spricht wie Lena das gleiche Akzent kommt aber aus "meiner Welt". Komisches Gefühl.
Im Flugzeug winkt mir die Familie zu...sie sitzt eine Reihe vor mir. "Welch ein schicksalhafter Zufall" sagt die Frau mit diesem klassisch russischen theatralisch-sinnlichen Anmut. Ich weiß bis heute nicht wie die 3 heissen. Wir unterhalten uns den ganze Flug und erzählen uns unsere Geschichten...teilweise zumindest. Irgendwie ist sofort eine Verbundeheit da und ich spüre dieses Gefühl, welches ich immer schon hatte..damals, als ich bei Kathi und Lena war, bei Kathis Familie, bei den Menschen in Belarus und in der Ukraine, dann mit Lena und dann das bei Elena und Nastja. Ein sehr russisches Gefühl...es schafft Vertrautheit aber engt nicht ein, es zeugt von Interesse aber nicht von aufdringlicher Neugier, es vermittelt menschliche Wärme aber keine misstrauische Hitze. Kein Zwang, kein Muss..einfach nur Herzlichkeit..wie ein brodelnder Samowar..wie ein Choral in einer russischen Kirche...aber trotzdem auch wie die Eleganz und anmutige Schönheit einer russischen Frau. Ich kann dieses Gefühl nicht in Vollendung beschreiben.
Die Landung ist sehr hart. Das Flugzeug knallt förmlich auf die Landebahn und schliddert. Der Moskauer Flughafen ist auch, wie der in Berlin, irgendwie in einer angenehmen Stille versunken . Als ich aussteige spüre ich die Kälte. Die Flugfelder glitzern etwas, was die schliddernde Landung erklärt.
Mein Visum wird gelangweilt begutachtet und müde gibt mir der Uniformierte meinen Pass zurück nachdem er seinen Stempel, mit scheinbar letzter Kraft,auf eine der hinteren Seiten geknallt hat. Das Gepäckband gibt quitschende Geräusche von sich und ich rieche den Qualm einer russischen Zigarette und höre ein monotones Gespräch eines russischen Zollbeamten mit seiner Kollegin. Die Ruhe an diesem Tag schenkt mir einen besonderen Eindruck von der Ankunft in Russland. Ich sehe meinen Koffer kommen und greife ihn. Ich zieh den Teleskopgriff heraus und laufe Richtung "Wuichod" Richtung "Ausgang" ...Dann seh ich "meine" Familie und warte kurz. Wir gehen gemeinsam durch die Tür. Sie müssen weiterfliegen....Ich sehe ein blondes Mädchen gleich ganz vorn stehen , dass plötzlich ganz leuchtende Augen bekommt. LENA...Ich bin "zu Hause". "Meine Familie" verabschiedet sich von mir und wir wünschen uns viel Glück und ein gesegnetes Neues Jahr. Aber dann ist SIE bei mir..meine Lena und lächelt mich an. Ihre Begrüssung ist so sanft und ruhig wie der Flughafen. Aber sie drückt mich so fest an sich , dass es fast weh tut. Der vertraute Duft, die vertraute Wärme, ihre Augen... dann ihre Worte: "Hallo, mein Lieber...schön,dass du da bist...." Und immer noch sind Tränen in ihren Augen...und in meinen, wenn wir uns begrüssen. Ja...ich fühl nur Vertrautheit und Liebe. Es ist schön, angekommen zu sein !
1.2.08 21:28


Der Rote Platz...die Geschichte und die Liebe.....

Nachdem wir über ihn geschlendert sind sitzen wir nun auf einem Granitvorsprung und schauen über ihn...den, in der Abenddämmerung, liegenden "Roten Platz". 3 Mädchen...2 sind echte Russinnen...Elena und Nastja...eine ist eine Weißrussin...Lena... und ein "Junge" aus Deutschland. Eine Konstellation, die diesen ehrwürdigen Platz nicht beeindruckt, und die er gelassen erträgt. Auch wenn dem "deutschen Jungen" ,nämlich mir, die Situation eine Art Rührung nicht bestreitbar ist. Ich atme die Geschichte, dieses Platzes in diesem Moment wirklich ein. Ich spüre meine Lena, wie sie ihren Kopf an meine Schulter lehnt und ich erzähle von meinen Gefühlen und von meiner Dankbarkeit, dass wir...dessen Großväter und Urgroßväter sich noch in einem schrecklichen Krieg bekämpft haben, nun an diesem Platz zusammen sitzen. Elena lächelt mich an und sagt: "Ja...irgendwie ist das schon komisch !" Wir reden auch über die aktuelle Situation in Russland und ich bemerke Elenas Nachdenklichkeit und dann sagt sie plötzlich, nachdem sie länger in Richtung Kreml-Palast geschaut hat auf dem die russische Fahne weht: "Man kann über ihn sagen was man will....." sie deutet in Richtung Kreml und meint Putin,"....aber er knüpft an dem an, was man immer schon mit uns Russen gemacht hat und er macht es, glaub ich, irgendwie mit einer Logik, die richtig ist für dieses Riesen-Land..." Lena schaut zu Elena und sagt: "Also, ich glaub in Deutschland ist das politische System besser als hier bei uns"...sie deutet auch in Richtung Kreml, ..."und ich sag das nicht nur, weil Silvio jetzt hier ist, sondern weil ich das so erfahren hab." Ich schau Lena verwundert an und sage: "Vergiss mal nicht die ganze Bürokratie und den Ärger, mit dem ihr beide zu kämpfen hattet." Lena lacht kurz: "Ach, Schatz...wenn du wüsstest wie das hier ist." Elena: "Ich sag ja nicht, dass ich mir nicht auch eine richtige Demokratie wünsche, und er knüpft halt leider auch manchmal irgendwie an ihn an...." Elena deutet in Richtung Stalins Grab, welches sich an der Kreml-Mauer befindet. Mir wird gerade wieder bewusst , wieviel geballte Geschichte und Politik an diesem Ort ist...."Roter Platz"...."Krasnaja Ploschtschadj"...es wird gestritten...ist er "rot" wegen seines Pflasters...ist er "rot" wegen der Mauern des Kremls...oder ist es eben nur der "schöne Platz"...der "Krasnui Ploschtschadj"...(rot=krasnaja und schön=krasnui)...es steht überall anders....es gibt viele Thesen. Nastja...die sich die ganze Zeit aus der Diskussion rausgehalten hat, schaut nun in meine und Lenas Richtung und sagt, in einem gaaaanz langsamen russisch, das ich so wundervoll verstehe in diesem Moment:"Ist doch egal, was nun besser ist...ich find es schön, dass Lena und Silvio sich lieben und dass wir jetzt zusammen sind." Sie strahlt uns an und ich meine, sie hat es auf den Punkt gebracht. Elena streichelt sie.... "Wie Recht du hast...." und lächelt uns an. Da uns kalt wird, schlendern wir Richtung Elenas Auto....wir hatten einen schönen Tag und ich bin froh in Moskau zu sein. Lena schnuppert....und sagt: "Riech mal....das hab ich gemeint, als ich dir in Dresden sagte, bei euch riecht es anders." Ich muss lachen, weil...ja...ich weiss was sie meint. Ich merke es auch. Lena küsst mich und sie schmeckt nach Erdbeeren. Ich bleib kurz stehn um ihr in die Augen zu schauen...."Ich liebe dich,Lena !" sag ich und drück sie an mich und ich rieche, vertraut, meine Lena...sie duftet nach Sommer und Sonne . Ich höre, ganz versteckt, ihr: "Ich dich auch,mein Einziger !" Ich weiß, dass es keine Steigerung mehr dafür gibt und bin nur glücklich.


Soooo.....ANMERKUNG: Von jetzt an werde ich nicht mehr chronologisch berichten sondern von Episoden, die ich meine, dass sie erzählenswert sind. :-)
5.12.07 22:22


Sonntag (2)...

Die Idee, mit der Metro zu fahren, wurde schnell verworfen also sitzen wir alle in Elenas Auto und fahren Richtung Twerskaja Uliza.
Ich wusste es immer....Man kann auch viel ruhiger durch Moskau fahren, als Lena. Elena bewies es. Sie steuerte ihren LADA mit der selben Eleganz durch den Verkehr, die ihr auch sonst zu eigen ist. Als ich Lena auf Elenas ruhigen Fahrstil aufmerksam mache, sagt sie nur: "Heute ist ja auch Sonntag !" und zieht ein schmollendes Gesicht. Elena meint, dass sie auch oft etwas rasanter fährt nur heute hätten wir ja Zeit und außerdem hat sie zu kostbare Fracht an Bord. Wir albern noch ein wenig rum und ich foppe Lena noch ein wenig weil sie so süß ausschaut, wenn sie schmollt. Als wir uns unserem Ziel nähern, streitet Lena noch ein wenig mit Elena rum, wo sie parken soll. Elena lässt sich nicht beeindrucken und parkt in einer Seitenstraße mit den Worten: "Lena hat für ganz Moskau Ausnahmegenehmigungen zum Parken, die sie sich irgend woher erschlichen hat !" sie lacht dabei. Lena ruft vom Rücksitz: "Jaaaa,du bist ja nur neidisch...irgendwann hab ich sogar eine Karte für den Privatparkplatz von Putin im Kreml !" Wir lachen alle, weil Lena das total ulkig gesagt hat. Ich entgegne ihr: "Hat der sowas da?" Lena: "Weiß ich nicht, bestimmt... und wenn, dann bekomm ich dafür auch noch ne Karte, weil ich die gaaaanz dringend brauche und wenn ich sagen muss, dass ich seine persönliche Putzfrau bin, irgendein Grund fällt mir schon ein !" Sie zwinkert und stubbst Elena.
Es nieselt wieder leicht und es weht ein etwas nasskalter Wind als wir in unserem Restaurant ankommen. Es liegt etwas versteckt und sieht von außen total unscheinbar aus. Elena meinte, sie habe es entdeckt, als sie mit einem Geschäftspartner der Firma essen war. Lena kann sich den Kommentar nicht verkneifen: "Typisch, Elena geht essen und wir müssen hart arbeiten, stimmts Nastja ?" Sie zwinkert zu Nastja und die lächelt nur verlegen. Lena streichelt Elena versöhnlich über die Schulter. Innen ist das Restaurant, auf sehr geschmackvoller Weise, in klassisch-russischen Ambiente eingerichtet. Es bietet russische Küche in der etwas besseren Ausführung an. Wir haben eine kuschlige Ecke, an einem dieser russischen Kachelöfen zugewiesen bekommen. Nastja ist begeistert von dem Ofen und reserviert sich gleich den besten Platz, sie besteht darauf, dass ich mich neben sie setze, so, dass Lena mir gegenüber sitzt. Nastja erklärt mit leuchtenden Augen, betont langsam, dass sie eine Uroma hat, die in einem Dorf lebt, wo so ein Ofen die ganze Stube heizt und man kann darauf schlafen. Ich bin wieder einmal fasziniert von ihrem Strahlen, wenn sie von etwas begeistert ist. Sie freut sich sichtlich, dass wir alle zusammen sind. Es ist wirklich eine sehr gemütliche Ecke und nachdem wir die Karte studiert haben, wissen wir auch bald,was wir wollen. Wir bestellen einen grossen Teller für 4 Personen mit den klassischen Blinis (Pfannkuchen aus Buchweizen) mit diversen Beilagen (Pilze, roter Kaviar, Lachstatar) welche man auf die Blinis macht, die man dann zusammenlegt, nach Belieben in saure Sahne tunkt und dann verspeist. Eigentlich war ich danach schon satt. Um den obligatorischen Wodka kamen wir nicht rum, nur Elena verzichtete. Sie meinte, es gäbe in Moskau schon genug betrunkene Autofahrer, da müsse sie nicht mitziehen. Den Wodka gab es aber glücklicherweise in ganz normalen Gläsern. Lena und Nastja schüttelten sich davon. "Aber der gehört nun mal dazu." meint Lena. Als Hauptgang bestellten wir uns, wieder für 4 Personen, eine grosse Fischplatte vom Stör und Lachs mit verschiedenen Soßen und Beilagen. Es schmeckte himmlisch.
Zum Nachtisch gab es wieder jede Menge süsses Gebäck und Tee. Es war wirklich eine gute Idee von Elena und das Restaurant war nun wirklich auch bis auf den letzten Platz belegt.
Lena erzählte derweil die Geschichte als sie,Katjuschka und ich in Berlin in einem russischen Restaurant waren und wir von einem so schrecklich unfreundlichen Kellner bedient wurden, daß zum Schluß ,der sonst sehr geduldigen Kathi, dermaßen der Geduldsfaden riss, dass sie selbigen, in einer so kunst-wie tempramentvollen Art und Weise "zusammenfaltete", dass dieser nichts mehr sagen konnte und mit hochrotem Kopf davon ging, nachdem Katjuschka ihm einen Groschen Trinkgeld gegeben hat, wovon er sich ne "Tüte Anstand" kaufen sollte. Lenuschka parodierte Kathi in so einer perfekten Weise...es war so süß und zum Schluss waren wir beide total melancholisch, weil auch ich mich an diese Szene gut erinnern konnte. Ich weiß noch genau, dass Kathi wirklich so wütend war, dass sie ganz rot im Gesicht war und während ich sie tröstete, bekam Lena, als wir draußen waren, einen Lachkrampf, der immer wieder hochkam, bis zum späten Abend, was Katjuschka dann wiederrum "extrem albern" fand. Im Rückblick war es einfach nur eine lustige Episode. Wir saßen fast bis Nachmittag und redeten noch...die Zeit verging wie im Fluge und als wir das Restaurant verließen, hatte es sogar aufgehört zu nieseln......
30.11.07 21:44


Sonntag (1)....

Manchmal vergisst man die Zeit. Wir sitzen und reden. Obwohl wir sonst immer regelmäßig telefonieren, haben wir uns so viel zu erzählen. Ich amüsiere mich innerlich über Lenas Mimik und wie sie gestikuliert und...sie sitzt immer noch in dieser "verknoteten" Haltung auf dem Stuhl wie früher. Ich hab mal versucht das nachzumachen. Die Beine in diese typische "Lena-Haltung" auf einem Stuhl hinzubekommen...ich habs geschafft, konnte aber nur maximal eine Minute so sitzen. Lenuschka schafft locker eine halbe Stunde. Wir merken nicht, dass Elena und Nastja plötzlich in der Küche stehen. Lena schrickt hoch und schaut auf die Uhr: "Es ist ja schon so spät !" Elena lacht und meint: "Na, habt ihr euch beim Frühstück verplaudert ?" Sie macht sich gleich ran, unser Frühstücksgeschirr abzuräumen. Mir ist das etwas peinlich und ich helfe ihr dabei,wofür sie sich mit einem Lächeln bedankt. Von dieser Frau geht immer so eine freundliche Eleganz aus, soviel Wärme...ich war sehr oft davon beeindruckt. Was ich besonders schön fand...man muss nicht viele Worte machen, um sich mit ihr zu verstehen...sie ist ein Mensch der "kleinen Gesten". Ich finde diese Gabe so unglaublich schön. Irgendwie hat diese Frau immer so ein sanftes Strahlen aus ihrem Inneren an sich.
Nastja ist sofort bei Lena und umarmt sie...dann umarmt sie mich. Dieses Mädchen ist so anschmiegsam und hat fast immer ein Lächeln drauf. Diese Harmonie ist irgendwie authentisch, sie ist echt. Nicht nur gespielt, weil ich da bin, man merkt, dass sie auch sonst so miteinander umgehen. Lena hats mir erklärt. Sie sind irgendwie eine Schicksalsgemeinschaft...alle 3 haben annähernd richtig Sch**** erlebt im Leben und haben sich dieses kleine "Paradies" aufgebaut. Wer Moskau kennt, weiß, wie hart diese Stadt sein kann, wie hart das Leben da zu weil ist und wie kalt und unbarmherzig es oft sein kann. Diese 3 Frauen wollen das alles draußen lassen. Ich weiß, nach dieser Erfahrung, ich werde Lena NIE wieder drängen, nach Deutschland zu ziehen...lieber bleiben wir bei diesem Status, den wir jetzt haben, weil....ich würde etwas zerstören und das will ich nicht. Ich würde Elena und Nastja etwas aus ihrer "heilen Welt" reißen. Ich kann jetzt, wo ich vieles versteh, viel gelassener mit der Situation umgehen, zumal ich Nastjas flehende Augen nicht vergessen kann, als sie mich fragte, ob ich weiß wann Lena zu mir nach Deutschland zieht. Ich könnte es mir nie verzeihen, Lena aus purem Egoismus da rauszureißen, zumal sie relativ zufrieden ist mit diesem "Status Quo" , wenngleich sie natürlich auch oft Sehnsucht nach mir hat. Aber, wenn wir uns öfter sehen, wie wir es jetzt vereinbart haben, dann ist es gut so. Jedesmal, wenn wir jetzt miteinander telefonieren, dann muss ich auch mit Elena und Nastja reden. Ich werde alles vermeiden, um DAS zu zerstören. Liebe ist für mich auch zurückstecken zu können, wenn ich merke, ich würde, um mein Glück perfekt zu machen, andere Menschen unglücklich machen.
Nastja strahlt mich an...ihre Augen leuchten, als sie mir verkündet wie sehr sie sich darauf freut, dass wir den heutigen Sonntag zusammen verbringen. Sie redet so schnell, dass ich sie wieder nicht verstehe und Lena versucht mir ihren Redeschwall begreiflich zu machen. Plötzlich wird Nastjas Gesicht traurig, weil sie merkt, dass ich sie nicht mehr verstehe....."Iswienenje...sorry !" Ich streichel sie über die Schulter und sage, dass sie sich nicht entschuldigen muss, es ist doch meine Schuld,dass ich nicht so schnell hinterherkomme. Ich verdrehe in der Aufregung wieder mal total die russische Grammatik und Nastja lacht. Sie küsst mich auf die Wange. Ich find es wieder rührend. Später, als ich mit Lena über Nastjas Anschmiegsamkeit rede, sagt sie: "Das ist wirklich ganz harmlos, interpretiere da nur nichts falsches rein...Nastja tut das gut und ich hab wohl ein wenig ZU sehr von dir geschwärmt, immer !" Lena stubbst mich:"Also wegen mir musst du dir da keinen Kopf machen...ich weiss ja wie Nastja das meint !"
Elena klopft an unsere Tür....."Silvio, ich hätte da eine Idee, wegen dem Mittagessen....in der Nähe der Twerskaja Uliza ist ein kleines Restaurant, danach können wir noch zum Roten Platz laufen und den Nachmittag da verbringen...nur ich müsste da anrufen,damit wir 4 einen Tisch bekommen ". Ich sage: "Ja...okay..ich vertrau dir da total, Elena !" Sie schmunzelt: "Gut, dann ruf ich mal an !" Lena lächelt: "Sie kümmert sich immer so rührend !"...Ich spüre wieder dieses Glück in Lenas Worten und im nächsten Moment küsst sie mich und sagt, wie sehr sie mich liebt...ich spüre, wie wohl sie sich fühlt und wie glücklich sie ist. Lenas Glück ist mein Glück...ich kann nur glücklich sein, wenn sie es ist.....ich glaub, das ist auch ein Merkmal von Liebe !
15.11.07 20:42


Sonntagmorgen...

Ich wache auf...die Sonne blinzelt etwas durch die Lamellen des Rollos vor Lenas Fenster. Ich freu mich, dass sie ein wenig scheint und hoffe, dass dieser Tag nicht wieder ganz so trüb wird. Eigentlich ist mir das Wetter egal, weil.. ich bin hier, ich bin bei Lena..ich bin in dieser ausserordendlich warmherzigen Frauen-WG. Da kann es eigentlich die ganze Zeit draussen trüb sein. Das sind so meine Gedanken, während ich mich in dem schönen grossen Bett strecke und Lenas Duft wahrnehme, wenn ich mich an ihr Kissen kuschel. Sie selbst ist schon aufgestanden. Die Tür ist leicht angelehnt und ich höre sie in der Wohnung irgendwo rumwerkeln.Ich geniesse kurz diesen Augenblick, ganz bewusst, für mich. Wie oft wache ich sonst alleine auf, in meiner grossen Wohnung, und hab Sehnsucht nach ihr ? Nicht, dass ich ein einsamer Mensch wäre oder mich im allgemeinen einsam fühlen würde, in meinem Leben. Aber gerade diese Situation ist es, nach der ich mich doch schon oft sehne. Ich schau mich in Lenas Zimmer um. Sie hat ein wenig umgeräumt, wie mir auffällt, wenn ich mich an meinen kurzen Besuch am Anfang des Jahres erinner. Besonders fällt mir die Wand auf, an der damals noch die ganzen Bilder hingen von Katjuschka, Lena und mir. Dort ist jetzt ein Regal angebracht. Ich stehe auf, um es zu betrachten. Auf dem Regal stehen nur noch kleine Bilder...Bilder, von Menschen, die Lena irgendwie was bedeuten. Alle Flächen sind voll damit. Ihre Eltern..ihre Grosseltern..auch Katjuschkas Eltern und Geschwister stehen da.  Ich weiss, wie sehr Kathis Familie sich um die kleine Lena damals gekümmert haben. Und dann steht eins von mir da und eins von Kathi. Die beiden Bilder sind etwas grösser und in Farbe. Sie sind aus unserer Berliner Zeit. Ich kann mich noch daran erinnern, wie sie entstanden sind. Das besondere ist...vor jedem Bild steht eine Art Teelicht. Auf der oberen Fläche des Regals steht eine mittelgrosse orthodoxe Christus-Ikone die von 2 Kerzen umrahmt wird. Wie ein kleiner Altar sieht es aus. Irgendwie gefällt es mir.
Als ich im Bad fertig bin, geh ich in die Küche.
Lena ist mit dem Frühstück fast fertig und beobachtet, wie die Pistazien-und Rousinenbrötchen backen. Als sie mich sieht, fängt sie an zu strahlen und umarmt mich. Sie gibt mir einen Kuss. Sie schnuppert an mir. "Hmmm..du riechst gut." Ich schau wieder in diese tiefblauen Augen und seh auf ihrem Näschen wieder diese blassen Sommersprossen, die man echt nur erkennt, wenn man ganz dicht dran ist. Ihr Mund lächelt und ich realisiere wieder einmal, wie schön sie ist und was für ein unglaubliches Glück ich hab sie lieben zu dürfen...was für ein Geschenk es ist, so etwas Wunderschönes in den Armen zu halten. Als ich ihr es fast genauso sage,verzieht sie das Gesicht total süss und drückt mich ganz doll an sich. "Danke...du bist so lieb !" erwiedert sie.
Beim Frühstück spreche ich sie auf das Regal mit den Bildern an, weil es mich neugierig gemacht hat. Sie schmunzelt: "Ja, das ist was Besonderes...das sind Bilder mit den Menschen an die ich oft denke..sei es in einem Gefühl von Liebe, Sehnsucht, Trauer aber auch Wut, was besonders oft vorkommt, wenn ich an meine Eltern denken muss !" Immer dann zünde ich die Kerze vor dem jeweiligen Bild an. Die Ikone darüber passt auf, und segnet alles. Sie ist "Das wahre Bild" das über allem steht und für mich ganz wichtig ist. Aber auch die Bilder von euch, sind Ikonen, weil sie auch "wahre Bilder" sind." Lena schaut etwas nachdenklich: "Die Einmaligkeit für das, was ich für jeden Menschen auf den Bildern fühle ist das Wichtige dabei, nicht das Bild selbst. Bilder sind nur eine winzig kleine Momentaufnahme und es kommt nicht darauf an, so viele Bilder wie möglich, von einem Menschen aufzustellen, das Bild im Herzen zählt und die Bilder auf dem Regal sind nur ein Symbol dafür..eben wie bei einer richtigen Ikone auch !" Ich sehe dabei in Lenas Augen eine Leidenschaft, die mich fasziniert. Sie lacht und sagt: "Vater Gregori hat mich darauf gebracht, ein Geistlicher, mit dem ich befreundet bin...du wirst ihn noch kennen lernen !" Lenas Ausführungen machen für mich durchaus Sinn, denn es deckt sich ein wenig, mit der Ikonenverehrung der orthodoxen Kirche. "Ikone" heisst ja "wahres Bild". Lena sagt: "Mir hilft es sehr...es ist kein Dogma...mehr eine Philosophie, eine Hilfe, Gefühle für Menschen, die einem wichtig sind, und, die entweder nicht mehr oder nur selten erreichbar sind, zu verarbeiten !" Ich bin erstaunt über diese Tiefgründigkeit und stelle wieder einmal fest, wie viel reifer Lena geworden ist, wenn ich an die Lena denke die ich mal kennenlernte....
7.11.07 18:39


Samstagabend...

"Wollen wir noch ein wenig nach draußen...nur so den Abend genießen ?" fragt mich Lena. Sie weiß genau, wie sehr ich es mag durch den Abend zu laufen, die Lichter zu genießen und den Duft des Abends in einer Großstadt. "
Als wir wieder in dem nostalgischen Aufzug nach unten fahren, ist es mir, als wenn ich schon ewig hier zu Hause wäre. Ich möchte, in diesem Moment, an keinem anderen Ort der Welt sein. Wir laufen die Straße entlang, die wir von unserem Fenster aus beobachtet haben. Lena sagt: "Ich hab mir das so oft gewünscht, mit dir hier lang zu laufen, das ist mein Weg, wenn ich mich einsam fühle !" Ich erzähle Lena von meinen Sehnsüchten. Wie oft ich an sie denken muss. Wie furchtbar es manchmal ist. Sie schaut mich an und sagt: "Mir gehts genauso, mein Lieber !" Dann wird sie nachdenklich: ..."aber meinst du nicht, dass unsere Beziehung etwas ganz besonders ist..dass wir anderen etwas sehr Großes voraus haben ?... Wir haben in Dresden doch schon davon geredet..." Ich vermute zu wissen was sie meint und ich missverstehe es deshalb auch nicht. Lena: "Wir behalten uns immer den Reiz des Neuen...unsere Beziehung ertrinkt nicht in der Langeweile des Alltags, weil jeder für sich seine eigene Persönlichkeit lebt und trotzdem immer für den anderen da ist und ihm auch nicht untreu wird......" Lena bleibt stehen: "Silvio, glaub mir eins....ich werde dich NIE betrügen, darauf kannst du dich verlassen !" Lena schaut ernst und ich fühle in diesem Moment wie wichtig ihr dieser Satz ist. Sie fährt fort: "Ich müsste mit jedem anderen erst DAS erleben und erfahren wie mit dir, um DAS zu empfinden, was ich für dich empfinde...." Ich weiss nicht warum, aber ich bin in diesem Augenblick total stolz und ich fühle genauso. Lena: "Uns verbindet zu viel....ich hab manchmal daran gedacht, es dir zu sagen, wie sehr ich dich vermisst habe, aber ich hab dich damals allein gelassen und dachte, den Anspruch auf dich verloren zu haben....als wir uns dann wiedergesehen haben, hab ich mich sofort zu dir hingezogen gefühlt, auch wenn ich nicht geglaubt hätte, dass es sich SO entwickelt." Lena redet sich bei diesem Spaziergang alles von der Seele. Auch, wie sehr sie hier in Moskau, an allem hängt, aber mich trotzdem liebt. Mir wird an diesem Abend klar, dass ich vorsichtiger und sensibler werden muss und sie in Zukunft nicht mehr drängen darf, eine Zukunft in Deutschland mit ihr aufzubauen. Später wird es noch 2 Situationen geben, die mich in diesem Gefühl bekräftigen werden.
Wir sind wieder in der Wohnung. Es ist ganz still. Nur die grosse Uhr, die auf dem Flur steht, tickt. Lena hat ganz liebevoll ein Abendessen zubereitet und das ganze Zimmer mit Kerzen bestückt. Wir trinken Prosecco mit Hibiskus-Blüten. Auf meinen Wunsch hat sie wieder die CD von Maria Mena eingelegt..der Frau mit dieser "Gänsehaut-Stimme". Es wird ein Lied geben,welches für Lena das "Lied der Sehnsucht" ist und sich zu UNSEREM Lied entwickeln wird, weil es uns in der gesamten Zeit irgendwie begleiten wird. Es heisst: "Just hold me" und ist einfach nur wunderschön.
Irgendwann sind wir müde vom reden, aber es war so wichtig, dass wir uns alles in Ruhe von der Seele geredet haben. Wir wissen, dass wir uns in Zukunft viel öfter sehen werden und Lena sagt zum Schluss dieses Gesprächs: "Im nächsten Jahr komm ich nach Berlin...aber nur wenn du dabei bist, mein Lieber und dann treffen wir uns mit unseren alten Freunden...." sie blickt nachdenklich...."Ich bin lange genug vor dieser Vergangenheit davon gelaufen !" Ich küsse sie und spüre wieder ihren Duft. Eine Mischung aus ihrem Parfum "Tresor" von "Lacome" und eine Spur von Milch-Honig. Lenas warme Haut fühlt sich so vertraut an und ich liebe es, jeden Millimeter davon zu spüren. Langsam und sehr zärtlich geben wir uns unserer Leidenschaft und Sehnsucht hin. Lena ist voller Sehnsucht und überfährt mich fast damit....irgendwann liegen wir zusammen und fühlen uns nur noch wie EIN Mensch.....erfüllt von nur EINEM Gefühl...LIEBE....ich bin so dankbar, das geschenkt zu bekommen. Vielen, die es nur konsumieren, bleibt es verschlossen....zum Schluss ist eine erfüllte Zärtlichkeit die Frucht der vorangegangen Leidenschaft und alles ist so vertraut, so schön so gut....wie die Belohnung, für eine Zeit ohne Liebe..........
3.11.07 19:15


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