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Der Rote Platz...die Geschichte und die Liebe.....

Nachdem wir über ihn geschlendert sind sitzen wir nun auf einem Granitvorsprung und schauen über ihn...den, in der Abenddämmerung, liegenden "Roten Platz". 3 Mädchen...2 sind echte Russinnen...Elena und Nastja...eine ist eine Weißrussin...Lena... und ein "Junge" aus Deutschland. Eine Konstellation, die diesen ehrwürdigen Platz nicht beeindruckt, und die er gelassen erträgt. Auch wenn dem "deutschen Jungen" ,nämlich mir, die Situation eine Art Rührung nicht bestreitbar ist. Ich atme die Geschichte, dieses Platzes in diesem Moment wirklich ein. Ich spüre meine Lena, wie sie ihren Kopf an meine Schulter lehnt und ich erzähle von meinen Gefühlen und von meiner Dankbarkeit, dass wir...dessen Großväter und Urgroßväter sich noch in einem schrecklichen Krieg bekämpft haben, nun an diesem Platz zusammen sitzen. Elena lächelt mich an und sagt: "Ja...irgendwie ist das schon komisch !" Wir reden auch über die aktuelle Situation in Russland und ich bemerke Elenas Nachdenklichkeit und dann sagt sie plötzlich, nachdem sie länger in Richtung Kreml-Palast geschaut hat auf dem die russische Fahne weht: "Man kann über ihn sagen was man will....." sie deutet in Richtung Kreml und meint Putin,"....aber er knüpft an dem an, was man immer schon mit uns Russen gemacht hat und er macht es, glaub ich, irgendwie mit einer Logik, die richtig ist für dieses Riesen-Land..." Lena schaut zu Elena und sagt: "Also, ich glaub in Deutschland ist das politische System besser als hier bei uns"...sie deutet auch in Richtung Kreml, ..."und ich sag das nicht nur, weil Silvio jetzt hier ist, sondern weil ich das so erfahren hab." Ich schau Lena verwundert an und sage: "Vergiss mal nicht die ganze Bürokratie und den Ärger, mit dem ihr beide zu kämpfen hattet." Lena lacht kurz: "Ach, Schatz...wenn du wüsstest wie das hier ist." Elena: "Ich sag ja nicht, dass ich mir nicht auch eine richtige Demokratie wünsche, und er knüpft halt leider auch manchmal irgendwie an ihn an...." Elena deutet in Richtung Stalins Grab, welches sich an der Kreml-Mauer befindet. Mir wird gerade wieder bewusst , wieviel geballte Geschichte und Politik an diesem Ort ist...."Roter Platz"...."Krasnaja Ploschtschadj"...es wird gestritten...ist er "rot" wegen seines Pflasters...ist er "rot" wegen der Mauern des Kremls...oder ist es eben nur der "schöne Platz"...der "Krasnui Ploschtschadj"...(rot=krasnaja und schön=krasnui)...es steht überall anders....es gibt viele Thesen. Nastja...die sich die ganze Zeit aus der Diskussion rausgehalten hat, schaut nun in meine und Lenas Richtung und sagt, in einem gaaaanz langsamen russisch, das ich so wundervoll verstehe in diesem Moment:"Ist doch egal, was nun besser ist...ich find es schön, dass Lena und Silvio sich lieben und dass wir jetzt zusammen sind." Sie strahlt uns an und ich meine, sie hat es auf den Punkt gebracht. Elena streichelt sie.... "Wie Recht du hast...." und lächelt uns an. Da uns kalt wird, schlendern wir Richtung Elenas Auto....wir hatten einen schönen Tag und ich bin froh in Moskau zu sein. Lena schnuppert....und sagt: "Riech mal....das hab ich gemeint, als ich dir in Dresden sagte, bei euch riecht es anders." Ich muss lachen, weil...ja...ich weiss was sie meint. Ich merke es auch. Lena küsst mich und sie schmeckt nach Erdbeeren. Ich bleib kurz stehn um ihr in die Augen zu schauen...."Ich liebe dich,Lena !" sag ich und drück sie an mich und ich rieche, vertraut, meine Lena...sie duftet nach Sommer und Sonne . Ich höre, ganz versteckt, ihr: "Ich dich auch,mein Einziger !" Ich weiß, dass es keine Steigerung mehr dafür gibt und bin nur glücklich.


Soooo.....ANMERKUNG: Von jetzt an werde ich nicht mehr chronologisch berichten sondern von Episoden, die ich meine, dass sie erzählenswert sind. :-)
5.12.07 22:22


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Sonntag (2)...

Die Idee, mit der Metro zu fahren, wurde schnell verworfen also sitzen wir alle in Elenas Auto und fahren Richtung Twerskaja Uliza.
Ich wusste es immer....Man kann auch viel ruhiger durch Moskau fahren, als Lena. Elena bewies es. Sie steuerte ihren LADA mit der selben Eleganz durch den Verkehr, die ihr auch sonst zu eigen ist. Als ich Lena auf Elenas ruhigen Fahrstil aufmerksam mache, sagt sie nur: "Heute ist ja auch Sonntag !" und zieht ein schmollendes Gesicht. Elena meint, dass sie auch oft etwas rasanter fährt nur heute hätten wir ja Zeit und außerdem hat sie zu kostbare Fracht an Bord. Wir albern noch ein wenig rum und ich foppe Lena noch ein wenig weil sie so süß ausschaut, wenn sie schmollt. Als wir uns unserem Ziel nähern, streitet Lena noch ein wenig mit Elena rum, wo sie parken soll. Elena lässt sich nicht beeindrucken und parkt in einer Seitenstraße mit den Worten: "Lena hat für ganz Moskau Ausnahmegenehmigungen zum Parken, die sie sich irgend woher erschlichen hat !" sie lacht dabei. Lena ruft vom Rücksitz: "Jaaaa,du bist ja nur neidisch...irgendwann hab ich sogar eine Karte für den Privatparkplatz von Putin im Kreml !" Wir lachen alle, weil Lena das total ulkig gesagt hat. Ich entgegne ihr: "Hat der sowas da?" Lena: "Weiß ich nicht, bestimmt... und wenn, dann bekomm ich dafür auch noch ne Karte, weil ich die gaaaanz dringend brauche und wenn ich sagen muss, dass ich seine persönliche Putzfrau bin, irgendein Grund fällt mir schon ein !" Sie zwinkert und stubbst Elena.
Es nieselt wieder leicht und es weht ein etwas nasskalter Wind als wir in unserem Restaurant ankommen. Es liegt etwas versteckt und sieht von außen total unscheinbar aus. Elena meinte, sie habe es entdeckt, als sie mit einem Geschäftspartner der Firma essen war. Lena kann sich den Kommentar nicht verkneifen: "Typisch, Elena geht essen und wir müssen hart arbeiten, stimmts Nastja ?" Sie zwinkert zu Nastja und die lächelt nur verlegen. Lena streichelt Elena versöhnlich über die Schulter. Innen ist das Restaurant, auf sehr geschmackvoller Weise, in klassisch-russischen Ambiente eingerichtet. Es bietet russische Küche in der etwas besseren Ausführung an. Wir haben eine kuschlige Ecke, an einem dieser russischen Kachelöfen zugewiesen bekommen. Nastja ist begeistert von dem Ofen und reserviert sich gleich den besten Platz, sie besteht darauf, dass ich mich neben sie setze, so, dass Lena mir gegenüber sitzt. Nastja erklärt mit leuchtenden Augen, betont langsam, dass sie eine Uroma hat, die in einem Dorf lebt, wo so ein Ofen die ganze Stube heizt und man kann darauf schlafen. Ich bin wieder einmal fasziniert von ihrem Strahlen, wenn sie von etwas begeistert ist. Sie freut sich sichtlich, dass wir alle zusammen sind. Es ist wirklich eine sehr gemütliche Ecke und nachdem wir die Karte studiert haben, wissen wir auch bald,was wir wollen. Wir bestellen einen grossen Teller für 4 Personen mit den klassischen Blinis (Pfannkuchen aus Buchweizen) mit diversen Beilagen (Pilze, roter Kaviar, Lachstatar) welche man auf die Blinis macht, die man dann zusammenlegt, nach Belieben in saure Sahne tunkt und dann verspeist. Eigentlich war ich danach schon satt. Um den obligatorischen Wodka kamen wir nicht rum, nur Elena verzichtete. Sie meinte, es gäbe in Moskau schon genug betrunkene Autofahrer, da müsse sie nicht mitziehen. Den Wodka gab es aber glücklicherweise in ganz normalen Gläsern. Lena und Nastja schüttelten sich davon. "Aber der gehört nun mal dazu." meint Lena. Als Hauptgang bestellten wir uns, wieder für 4 Personen, eine grosse Fischplatte vom Stör und Lachs mit verschiedenen Soßen und Beilagen. Es schmeckte himmlisch.
Zum Nachtisch gab es wieder jede Menge süsses Gebäck und Tee. Es war wirklich eine gute Idee von Elena und das Restaurant war nun wirklich auch bis auf den letzten Platz belegt.
Lena erzählte derweil die Geschichte als sie,Katjuschka und ich in Berlin in einem russischen Restaurant waren und wir von einem so schrecklich unfreundlichen Kellner bedient wurden, daß zum Schluß ,der sonst sehr geduldigen Kathi, dermaßen der Geduldsfaden riss, dass sie selbigen, in einer so kunst-wie tempramentvollen Art und Weise "zusammenfaltete", dass dieser nichts mehr sagen konnte und mit hochrotem Kopf davon ging, nachdem Katjuschka ihm einen Groschen Trinkgeld gegeben hat, wovon er sich ne "Tüte Anstand" kaufen sollte. Lenuschka parodierte Kathi in so einer perfekten Weise...es war so süß und zum Schluss waren wir beide total melancholisch, weil auch ich mich an diese Szene gut erinnern konnte. Ich weiß noch genau, dass Kathi wirklich so wütend war, dass sie ganz rot im Gesicht war und während ich sie tröstete, bekam Lena, als wir draußen waren, einen Lachkrampf, der immer wieder hochkam, bis zum späten Abend, was Katjuschka dann wiederrum "extrem albern" fand. Im Rückblick war es einfach nur eine lustige Episode. Wir saßen fast bis Nachmittag und redeten noch...die Zeit verging wie im Fluge und als wir das Restaurant verließen, hatte es sogar aufgehört zu nieseln......
30.11.07 21:44


Streß

Diese Woche war echt so richtig stressig. Ich war meist nie vor 10 am Abend zu Hause. So langsam zehrt es doch ein wenig. Mir macht meine Arbeit zwar Spaß aber ZU viel Spaß tut auch nicht gut ;-).

Trotzdem hatte ich heute auf meiner Seite ganze 10 Besucher ! Ganz grossen Dank dafür ! Ihr seid echt lieb ! Das sind für mich nicht einfach so 10 Klicks auf meiner Seite, das ist für mich ein Zeichen, dass es heute 10 Menschen gab, die an mich gedacht haben und sich auch für meinen Blog  interessieren, wenn mal nicht regelmäßig hier was steht ! Darum hat das für mich einen sehr großen Wert ! Das Geschenk des Gedanken eines Menschen an einen anderen, ist unbezahlbar !

Ich wünsch euch allen eine wunderschöne Woche, passt auf euch auf und alles Liebe !!!

Ich meine mal, ab Mittwoch wird's bei mir wieder ruhiger und ihr lest wieder regelmäßiger was !

25.11.07 23:29


Sonntag (1)....

Manchmal vergisst man die Zeit. Wir sitzen und reden. Obwohl wir sonst immer regelmäßig telefonieren, haben wir uns so viel zu erzählen. Ich amüsiere mich innerlich über Lenas Mimik und wie sie gestikuliert und...sie sitzt immer noch in dieser "verknoteten" Haltung auf dem Stuhl wie früher. Ich hab mal versucht das nachzumachen. Die Beine in diese typische "Lena-Haltung" auf einem Stuhl hinzubekommen...ich habs geschafft, konnte aber nur maximal eine Minute so sitzen. Lenuschka schafft locker eine halbe Stunde. Wir merken nicht, dass Elena und Nastja plötzlich in der Küche stehen. Lena schrickt hoch und schaut auf die Uhr: "Es ist ja schon so spät !" Elena lacht und meint: "Na, habt ihr euch beim Frühstück verplaudert ?" Sie macht sich gleich ran, unser Frühstücksgeschirr abzuräumen. Mir ist das etwas peinlich und ich helfe ihr dabei,wofür sie sich mit einem Lächeln bedankt. Von dieser Frau geht immer so eine freundliche Eleganz aus, soviel Wärme...ich war sehr oft davon beeindruckt. Was ich besonders schön fand...man muss nicht viele Worte machen, um sich mit ihr zu verstehen...sie ist ein Mensch der "kleinen Gesten". Ich finde diese Gabe so unglaublich schön. Irgendwie hat diese Frau immer so ein sanftes Strahlen aus ihrem Inneren an sich.
Nastja ist sofort bei Lena und umarmt sie...dann umarmt sie mich. Dieses Mädchen ist so anschmiegsam und hat fast immer ein Lächeln drauf. Diese Harmonie ist irgendwie authentisch, sie ist echt. Nicht nur gespielt, weil ich da bin, man merkt, dass sie auch sonst so miteinander umgehen. Lena hats mir erklärt. Sie sind irgendwie eine Schicksalsgemeinschaft...alle 3 haben annähernd richtig Sch**** erlebt im Leben und haben sich dieses kleine "Paradies" aufgebaut. Wer Moskau kennt, weiß, wie hart diese Stadt sein kann, wie hart das Leben da zu weil ist und wie kalt und unbarmherzig es oft sein kann. Diese 3 Frauen wollen das alles draußen lassen. Ich weiß, nach dieser Erfahrung, ich werde Lena NIE wieder drängen, nach Deutschland zu ziehen...lieber bleiben wir bei diesem Status, den wir jetzt haben, weil....ich würde etwas zerstören und das will ich nicht. Ich würde Elena und Nastja etwas aus ihrer "heilen Welt" reißen. Ich kann jetzt, wo ich vieles versteh, viel gelassener mit der Situation umgehen, zumal ich Nastjas flehende Augen nicht vergessen kann, als sie mich fragte, ob ich weiß wann Lena zu mir nach Deutschland zieht. Ich könnte es mir nie verzeihen, Lena aus purem Egoismus da rauszureißen, zumal sie relativ zufrieden ist mit diesem "Status Quo" , wenngleich sie natürlich auch oft Sehnsucht nach mir hat. Aber, wenn wir uns öfter sehen, wie wir es jetzt vereinbart haben, dann ist es gut so. Jedesmal, wenn wir jetzt miteinander telefonieren, dann muss ich auch mit Elena und Nastja reden. Ich werde alles vermeiden, um DAS zu zerstören. Liebe ist für mich auch zurückstecken zu können, wenn ich merke, ich würde, um mein Glück perfekt zu machen, andere Menschen unglücklich machen.
Nastja strahlt mich an...ihre Augen leuchten, als sie mir verkündet wie sehr sie sich darauf freut, dass wir den heutigen Sonntag zusammen verbringen. Sie redet so schnell, dass ich sie wieder nicht verstehe und Lena versucht mir ihren Redeschwall begreiflich zu machen. Plötzlich wird Nastjas Gesicht traurig, weil sie merkt, dass ich sie nicht mehr verstehe....."Iswienenje...sorry !" Ich streichel sie über die Schulter und sage, dass sie sich nicht entschuldigen muss, es ist doch meine Schuld,dass ich nicht so schnell hinterherkomme. Ich verdrehe in der Aufregung wieder mal total die russische Grammatik und Nastja lacht. Sie küsst mich auf die Wange. Ich find es wieder rührend. Später, als ich mit Lena über Nastjas Anschmiegsamkeit rede, sagt sie: "Das ist wirklich ganz harmlos, interpretiere da nur nichts falsches rein...Nastja tut das gut und ich hab wohl ein wenig ZU sehr von dir geschwärmt, immer !" Lena stubbst mich:"Also wegen mir musst du dir da keinen Kopf machen...ich weiss ja wie Nastja das meint !"
Elena klopft an unsere Tür....."Silvio, ich hätte da eine Idee, wegen dem Mittagessen....in der Nähe der Twerskaja Uliza ist ein kleines Restaurant, danach können wir noch zum Roten Platz laufen und den Nachmittag da verbringen...nur ich müsste da anrufen,damit wir 4 einen Tisch bekommen ". Ich sage: "Ja...okay..ich vertrau dir da total, Elena !" Sie schmunzelt: "Gut, dann ruf ich mal an !" Lena lächelt: "Sie kümmert sich immer so rührend !"...Ich spüre wieder dieses Glück in Lenas Worten und im nächsten Moment küsst sie mich und sagt, wie sehr sie mich liebt...ich spüre, wie wohl sie sich fühlt und wie glücklich sie ist. Lenas Glück ist mein Glück...ich kann nur glücklich sein, wenn sie es ist.....ich glaub, das ist auch ein Merkmal von Liebe !
15.11.07 20:42


Zwischenruf...

Jetzt hab ich hier doch schon echt eine Weile nichts mehr geschrieben und lass mal schnell ein kleines Lebenszeichen da und danke allen, die trotzdem hier immer jeden Tag vorbeigeschaut haben. Der Server von "MyBlog" läuft auch irgendwie total langsam in der letzten Zeit. Empfinde nur ich das so oder ist das echt so ?

Ich bin im Moment etwas stark beschäftigt ! Deshalb diese kleine Pause hier erst mal. Aber ich denke, ich werde Ende der Woche hier weiterschreiben ! Bis dahin grüsse ich auch alle ganz lieb und wünsche euch noch eine wunderschöne Woche !!!

 

14.11.07 18:42


Sonntagmorgen...

Ich wache auf...die Sonne blinzelt etwas durch die Lamellen des Rollos vor Lenas Fenster. Ich freu mich, dass sie ein wenig scheint und hoffe, dass dieser Tag nicht wieder ganz so trüb wird. Eigentlich ist mir das Wetter egal, weil.. ich bin hier, ich bin bei Lena..ich bin in dieser ausserordendlich warmherzigen Frauen-WG. Da kann es eigentlich die ganze Zeit draussen trüb sein. Das sind so meine Gedanken, während ich mich in dem schönen grossen Bett strecke und Lenas Duft wahrnehme, wenn ich mich an ihr Kissen kuschel. Sie selbst ist schon aufgestanden. Die Tür ist leicht angelehnt und ich höre sie in der Wohnung irgendwo rumwerkeln.Ich geniesse kurz diesen Augenblick, ganz bewusst, für mich. Wie oft wache ich sonst alleine auf, in meiner grossen Wohnung, und hab Sehnsucht nach ihr ? Nicht, dass ich ein einsamer Mensch wäre oder mich im allgemeinen einsam fühlen würde, in meinem Leben. Aber gerade diese Situation ist es, nach der ich mich doch schon oft sehne. Ich schau mich in Lenas Zimmer um. Sie hat ein wenig umgeräumt, wie mir auffällt, wenn ich mich an meinen kurzen Besuch am Anfang des Jahres erinner. Besonders fällt mir die Wand auf, an der damals noch die ganzen Bilder hingen von Katjuschka, Lena und mir. Dort ist jetzt ein Regal angebracht. Ich stehe auf, um es zu betrachten. Auf dem Regal stehen nur noch kleine Bilder...Bilder, von Menschen, die Lena irgendwie was bedeuten. Alle Flächen sind voll damit. Ihre Eltern..ihre Grosseltern..auch Katjuschkas Eltern und Geschwister stehen da.  Ich weiss, wie sehr Kathis Familie sich um die kleine Lena damals gekümmert haben. Und dann steht eins von mir da und eins von Kathi. Die beiden Bilder sind etwas grösser und in Farbe. Sie sind aus unserer Berliner Zeit. Ich kann mich noch daran erinnern, wie sie entstanden sind. Das besondere ist...vor jedem Bild steht eine Art Teelicht. Auf der oberen Fläche des Regals steht eine mittelgrosse orthodoxe Christus-Ikone die von 2 Kerzen umrahmt wird. Wie ein kleiner Altar sieht es aus. Irgendwie gefällt es mir.
Als ich im Bad fertig bin, geh ich in die Küche.
Lena ist mit dem Frühstück fast fertig und beobachtet, wie die Pistazien-und Rousinenbrötchen backen. Als sie mich sieht, fängt sie an zu strahlen und umarmt mich. Sie gibt mir einen Kuss. Sie schnuppert an mir. "Hmmm..du riechst gut." Ich schau wieder in diese tiefblauen Augen und seh auf ihrem Näschen wieder diese blassen Sommersprossen, die man echt nur erkennt, wenn man ganz dicht dran ist. Ihr Mund lächelt und ich realisiere wieder einmal, wie schön sie ist und was für ein unglaubliches Glück ich hab sie lieben zu dürfen...was für ein Geschenk es ist, so etwas Wunderschönes in den Armen zu halten. Als ich ihr es fast genauso sage,verzieht sie das Gesicht total süss und drückt mich ganz doll an sich. "Danke...du bist so lieb !" erwiedert sie.
Beim Frühstück spreche ich sie auf das Regal mit den Bildern an, weil es mich neugierig gemacht hat. Sie schmunzelt: "Ja, das ist was Besonderes...das sind Bilder mit den Menschen an die ich oft denke..sei es in einem Gefühl von Liebe, Sehnsucht, Trauer aber auch Wut, was besonders oft vorkommt, wenn ich an meine Eltern denken muss !" Immer dann zünde ich die Kerze vor dem jeweiligen Bild an. Die Ikone darüber passt auf, und segnet alles. Sie ist "Das wahre Bild" das über allem steht und für mich ganz wichtig ist. Aber auch die Bilder von euch, sind Ikonen, weil sie auch "wahre Bilder" sind." Lena schaut etwas nachdenklich: "Die Einmaligkeit für das, was ich für jeden Menschen auf den Bildern fühle ist das Wichtige dabei, nicht das Bild selbst. Bilder sind nur eine winzig kleine Momentaufnahme und es kommt nicht darauf an, so viele Bilder wie möglich, von einem Menschen aufzustellen, das Bild im Herzen zählt und die Bilder auf dem Regal sind nur ein Symbol dafür..eben wie bei einer richtigen Ikone auch !" Ich sehe dabei in Lenas Augen eine Leidenschaft, die mich fasziniert. Sie lacht und sagt: "Vater Gregori hat mich darauf gebracht, ein Geistlicher, mit dem ich befreundet bin...du wirst ihn noch kennen lernen !" Lenas Ausführungen machen für mich durchaus Sinn, denn es deckt sich ein wenig, mit der Ikonenverehrung der orthodoxen Kirche. "Ikone" heisst ja "wahres Bild". Lena sagt: "Mir hilft es sehr...es ist kein Dogma...mehr eine Philosophie, eine Hilfe, Gefühle für Menschen, die einem wichtig sind, und, die entweder nicht mehr oder nur selten erreichbar sind, zu verarbeiten !" Ich bin erstaunt über diese Tiefgründigkeit und stelle wieder einmal fest, wie viel reifer Lena geworden ist, wenn ich an die Lena denke die ich mal kennenlernte....
7.11.07 18:39


Samstagabend...

"Wollen wir noch ein wenig nach draußen...nur so den Abend genießen ?" fragt mich Lena. Sie weiß genau, wie sehr ich es mag durch den Abend zu laufen, die Lichter zu genießen und den Duft des Abends in einer Großstadt. "
Als wir wieder in dem nostalgischen Aufzug nach unten fahren, ist es mir, als wenn ich schon ewig hier zu Hause wäre. Ich möchte, in diesem Moment, an keinem anderen Ort der Welt sein. Wir laufen die Straße entlang, die wir von unserem Fenster aus beobachtet haben. Lena sagt: "Ich hab mir das so oft gewünscht, mit dir hier lang zu laufen, das ist mein Weg, wenn ich mich einsam fühle !" Ich erzähle Lena von meinen Sehnsüchten. Wie oft ich an sie denken muss. Wie furchtbar es manchmal ist. Sie schaut mich an und sagt: "Mir gehts genauso, mein Lieber !" Dann wird sie nachdenklich: ..."aber meinst du nicht, dass unsere Beziehung etwas ganz besonders ist..dass wir anderen etwas sehr Großes voraus haben ?... Wir haben in Dresden doch schon davon geredet..." Ich vermute zu wissen was sie meint und ich missverstehe es deshalb auch nicht. Lena: "Wir behalten uns immer den Reiz des Neuen...unsere Beziehung ertrinkt nicht in der Langeweile des Alltags, weil jeder für sich seine eigene Persönlichkeit lebt und trotzdem immer für den anderen da ist und ihm auch nicht untreu wird......" Lena bleibt stehen: "Silvio, glaub mir eins....ich werde dich NIE betrügen, darauf kannst du dich verlassen !" Lena schaut ernst und ich fühle in diesem Moment wie wichtig ihr dieser Satz ist. Sie fährt fort: "Ich müsste mit jedem anderen erst DAS erleben und erfahren wie mit dir, um DAS zu empfinden, was ich für dich empfinde...." Ich weiss nicht warum, aber ich bin in diesem Augenblick total stolz und ich fühle genauso. Lena: "Uns verbindet zu viel....ich hab manchmal daran gedacht, es dir zu sagen, wie sehr ich dich vermisst habe, aber ich hab dich damals allein gelassen und dachte, den Anspruch auf dich verloren zu haben....als wir uns dann wiedergesehen haben, hab ich mich sofort zu dir hingezogen gefühlt, auch wenn ich nicht geglaubt hätte, dass es sich SO entwickelt." Lena redet sich bei diesem Spaziergang alles von der Seele. Auch, wie sehr sie hier in Moskau, an allem hängt, aber mich trotzdem liebt. Mir wird an diesem Abend klar, dass ich vorsichtiger und sensibler werden muss und sie in Zukunft nicht mehr drängen darf, eine Zukunft in Deutschland mit ihr aufzubauen. Später wird es noch 2 Situationen geben, die mich in diesem Gefühl bekräftigen werden.
Wir sind wieder in der Wohnung. Es ist ganz still. Nur die grosse Uhr, die auf dem Flur steht, tickt. Lena hat ganz liebevoll ein Abendessen zubereitet und das ganze Zimmer mit Kerzen bestückt. Wir trinken Prosecco mit Hibiskus-Blüten. Auf meinen Wunsch hat sie wieder die CD von Maria Mena eingelegt..der Frau mit dieser "Gänsehaut-Stimme". Es wird ein Lied geben,welches für Lena das "Lied der Sehnsucht" ist und sich zu UNSEREM Lied entwickeln wird, weil es uns in der gesamten Zeit irgendwie begleiten wird. Es heisst: "Just hold me" und ist einfach nur wunderschön.
Irgendwann sind wir müde vom reden, aber es war so wichtig, dass wir uns alles in Ruhe von der Seele geredet haben. Wir wissen, dass wir uns in Zukunft viel öfter sehen werden und Lena sagt zum Schluss dieses Gesprächs: "Im nächsten Jahr komm ich nach Berlin...aber nur wenn du dabei bist, mein Lieber und dann treffen wir uns mit unseren alten Freunden...." sie blickt nachdenklich...."Ich bin lange genug vor dieser Vergangenheit davon gelaufen !" Ich küsse sie und spüre wieder ihren Duft. Eine Mischung aus ihrem Parfum "Tresor" von "Lacome" und eine Spur von Milch-Honig. Lenas warme Haut fühlt sich so vertraut an und ich liebe es, jeden Millimeter davon zu spüren. Langsam und sehr zärtlich geben wir uns unserer Leidenschaft und Sehnsucht hin. Lena ist voller Sehnsucht und überfährt mich fast damit....irgendwann liegen wir zusammen und fühlen uns nur noch wie EIN Mensch.....erfüllt von nur EINEM Gefühl...LIEBE....ich bin so dankbar, das geschenkt zu bekommen. Vielen, die es nur konsumieren, bleibt es verschlossen....zum Schluss ist eine erfüllte Zärtlichkeit die Frucht der vorangegangen Leidenschaft und alles ist so vertraut, so schön so gut....wie die Belohnung, für eine Zeit ohne Liebe..........
3.11.07 19:15


Samstagnachmittag....

Wir sind wieder zurück. Als wir ins Haus gehen, begegnen wir einer alten Frau, die den ganzen Mund voller Goldzähne hat. Lena spricht sie an und sie unterhalten sich über Unzulänglichkeiten im Haus und schimpfen auf den Hausmeister. Wenn Lena schnell russisch spricht, kann ich oft nicht folgen. Sie kommt mir dann immer irgendwie "fremd" und ungewohnt vor. Ich steh mit unseren Körben daneben und versuche ein paar Fetzen mitzubekommen. Eigenartigerweise versteh ich dabei die alte Frau besser als meine Lena, weil sie langsam und deutlich spricht. Auf einmal legt Lena den Arm um mich und erzählt der Frau, wieder mit Stolz, dass ich ihr Freund aus Deutschland sei. Die Frau lacht mich an und ich seh nur Goldzähne blitzen. Sie fragt mich, ob es mir gefällt und ob ich mich freue hier zu sein. Ich bejahe und mecker nur ein wenig über das nasskalte Wetter. Die Frau lacht und sagt, ich solle mal im Winter nach Moskau kommen. Ich kanns mir gut vorstellen. Zum Schluß kommt sie etwas näher an mich ran und sagt, dass Lena immer viel von mir erzählt. Ich muss innerlich lachen. Anscheinend bin ich, hier in Moskau, schon überall bekannt wie ein "bunter Hund". Ich werde noch mehr Erlebnisse dieser Art haben. Irgendwie erfüllt es mich auch mit Stolz. Lena schliesst die Tür auf und rümpft die Nase. In der Wohnung riecht es nach Reinigungsmittel. Ich weiss, wie empfindlich Lena auf unangenehme Gerüche reagieren kann und im selben Moment schimpft sie auch schon und ruft laut: "ELENAAA !" Selbige erscheint mit einem Lächeln und wirkt, trotz grosser Putzaktion, wieder so unglaublich elegant. Sie scheint zu ahnen was Lena so aufregt und sagt: "Der Geruch vergeht schon wieder." und lacht mich an: "Es riecht etwas stark, aber es reinigt am besten !" Lena: "Es riecht nicht, es stinkt !" sagt sie auf deutsch zu Elena. Sie zieht ein Gesicht als würde sie in eine abgeschälte Zitrone beißen und schüttelt sich. Ich find den Gesichtsausdruck so süss. Aus dem Bad kommt, ein Lied trällernd, Nastja. Sie ist nur spärlich bekleidet, darum winkt sie nur und verschwindet in ihr Zimmer. "Ihr habt heute Abend und die Nacht die Wohnung für euch ganz allein ! Nastja und ich sind unterwegs und übernachten auch auswärts." Mittlerweile sind wir in der Küche beim auspacken der Einkäufe. Lena: "Machen wir uns einen schönen Abend, oder magst du lieber ausgehen !" Ehrlich gesagt, würde ich einen romantischen Abend vorziehen und ich sags Lena. Sie freut sich. "Mal sehen, ob wir bis dahin den Gestank aus der Wohnung bekommen."  Elena lacht: "Ja, aber nicht wieder mit dem teuren Parfum...!" Lena bedroht Elena mit einer Gurke. Diese sagt zu mir, gespielt betroffen: "So eine böse Freundin hast du dir da ausgesucht..." und zu Lena gewandt: " ...man spielt nicht mit Lebensmittel !" und ringt Lena die Gurke aus der Hand. Nach einer Weile kommt Nastja in die Küche und sie strahlt wie eine Sonne. Sie sieht toll aus. Sie hat ihr langes blondes Haar offen und duftet wie eine Frühlingsblume. Irgendwie ist dieses Mädchen immer fröhlich. Als ich ihr ein Kompliment mache, errötet sie etwas und bedankt sich mit einem Lächeln. Lena schnuppert an ihr und umarmt sie. "Hmmmm...Nastjaaaa..meine Duftoase..." Die beiden albern rum während ich mit Elena die Lebensmittel verstaue. "Wie die kleinen Kinder !" sagt sie schmunzelnd.
Danach sitzen wir noch zusammen und trinken einen Tee und essen Gebäck. Lena hat im ganzen Haus Duftkerzen aufgestellt und ist so langsam aber sicher wieder zufrieden.... Der Nachmittag geht dahin und es wird langsam Abend. Bevor Elena und Nastja gehen, sag ich zu ihnen: "Ich würde euch alle 3 gerne morgen zum Mittagessen einladen. Das Restaurant müsst ihr aber aussuchen !" Elena und Lena wissen gleich eins und ich freu mich, dass sie das Angebot, ohne grossen Protest, angenommen haben.
Wir gehen zum Fenster und winken den beiden zu, als sie in Elenas Auto einsteigen und wegfahren. Dann legt Lena den Arm um mich und wir schauen noch ein wenig in den frühen Moskauer Abend. "Es riecht schon ein kleines bissl nach Winter !" sagt Lena. Dann schaut sie mich an, lächelt, und gibt mir einen Kuss...."Ich liebe dich !" Wir haben jetzt die ganze Wohnung für uns und freuen uns auf den Abend......
2.11.07 18:58


Einkauf...

Ich bin unterwegs mit Lena um ein paar Kleinigkeiten für die WG einzukaufen. Elena und Nastja wollen in der Zeit...bis Nachmittag...eine grössere Putzaktion starten, die, wie mir Lena sagt, Samstag Vormittag bis Nachmittag Tradition hat. Eine kauft die letzten Kleinigkeiten fürs Wochenende und für den Wochenanfang ein und die 2 anderen machen sauber. Lena erklärt mir, dass sie, wenn sie dran ist mit dem Einkauf, es meist so hält, lieber Märkte und kleinere Läden anzufahren, als an den Stadtrand in einen der großen Supermärkte zu fahren. Wir sind auf dem Weg zu einem Markt. Lena fährt in althergebrachter Weise durch den Moskauer Verkehr. Hupend, schimpfend, drängelnd...es ist das gleiche Spiel ,aber ich vertrau Lena und genieße die Fahrt, natürlich nicht ohne so manchen Kommentar loszulassen, den sie mal mit einem lustigen, mal mit einem müden Lächeln bedenkt. Wir parken auf einem sehr holprigen Platz, auf dem extrem viel Betrieb herrscht. Lena schlüpft in eine Parklücke. Als wir aussteigen werden wir mit einem wütenden Schimpfen bedacht, von einem sehr alten Fahrer eines "Lada" der bald auseinander fällt und wahrscheinlich in den geschätzten 20 Jahren, in dem er schon gefahren ist, noch keine Waschanlage gesehen hat. Lena war etwas schneller als er und hat ihm die Parklücke weggeschnappt. Sie ignoriert das Geschimpfe mit einem stolzen Blick, holt einen Korb aus dem Kofferraum und wir hüpfen über Pfützen in Richtung Markt. Ich bin froh, dass ich festeres Schuhwerk an hab, denn der Boden ist teilweise sehr schlammig...das Wetter könnte durchaus besser sein,es ist nasskalt. Der Markt ist faszinierend...für deutsche Befindlichkeiten allerdings gewöhnungsbedürftig, da nicht nur Unmengen an Obst und Gemüse angeboten werden sondern auch Fleisch und Fisch, das für unsere hygienischen Verständlichkeiten absolut inakzeptabel wäre. Ich denke mal, dieser Markt würde in Deutschland sofort geschlossen werden. Ich find ihn aber sehr imposant. Ich kenne das teilweise schon, darum stört es mich nicht weiter und ich weiss genau, dass man absolut keine Angst haben muss, sich mit den Waren, die man dort kauft, zu vergiften. Lena erklärt mir, das Fleisch ist frisch und abwaschen müsse man es sowieso, bevor man es zubereitet. Lena kauft aber hauptsächlich viel Obst und Gemüse ein und etwas von den wundervollen eingelegten Dingen (meist Gemüse). Bei diesen Dingen sucht sie spezielle Händler die sie schon kennen und denen sie mich ganz stolz vorstellt....ihren Freund aus Deutschland. Von den meisten werde ich bestaunt wie ein Exot, weil sich auf den Markt hier recht selten Touristen verirren und die meisten der Leute hier auch aus kleineren Dörfern im Umland kommen. Sie freuen sich, dass ich mit ihnen ein paar Worte wechsel. Als Lenas Korb voll ist, gehen wir zurück zum Parkplatz. Bevor wir einsteigen putzen wir uns unsere Schuhe mit einem kleinen Reisigbesen ab, den sie extra dafür im Kofferraum hat.  Lena meckert über den Schlamm..."Aber der Markt hier ist wirklich gut..." sagt sie. Wir fahren über eine grosse Strasse an einem riesigen Wohngebiet lang. Lena sagt: "Hier möchte ich nicht wohnen...das ist das reinste Ghetto..ich möchte nicht wissen, was sich hinter diesen Fenstern für Tragödien abspielen !" Lena erklärt mir, dass viele Menschen am absoluten sozialen Rand leben müssen.
Wir lassen das Gebiet hinter uns und parken nun auf einem Hinterhof eines alten Hauses. "Weiter vorn find ich kein Parkplatz" sagt Lena und sie holt Korb 2 aus dem Kofferraum. "Es gibt hier wunderschöne kleine Läden !" Es ist etwas tumultig und ich glaube, ich bin auch hier wieder der einzige westliche Ausländer. Irgendwie hat dieses Viertel Seele....zwischen den Wohnhäusern und Geschäften verkaufen Händler, die etwas dunkler ausschauen, Obst und Gemüse und kleine kaukasische Spezialitäten. Es duftet total exotisch. Dazwischen stehen Stände, an denen es geröstete Kastanien oder Tütchen mit Sonnenblumenkerne gibt, die unheimlich gerne so als Handsnack gegessen werden.  Ich kauf mir auch eine davon, weil ich sie total gerne knabber. Lena lacht. "Aber wehe du ißt sie im Auto  !" sie zwinkert und befürchtet, dass ich die Schalen im Auto abpuhle. Dann fügt sie hinzu: "Du wirst noch so ein richtiger Russe..ich hasse das wenn diese Schalen überall rum liegen !" In kurzer Zeit ist dann auch Lenas 2. Korb voll, den ich trage und ich bin auch schon lange mit meinen Sonnenblumenkernen fertig. "So...jetzt gehen wir eine Kleinigkeit essen, ja...ich kenn eine tolle Sushi-Bar !" Wir mögen das beide, das weiss Lena noch aus unserer Berliner Zeit.
Als Lena alles verstaut hat, legt sie die Arme um mich und schaut mich mit ihren grossen blauen Augen glücklich an. Ich bekomme einen langen und intensiven Kuss. "Du schmeckst wie eine Sonnenblume !" moniert sie. "Soso...du küsst also auch Sonnenblumen, Lenuschka !" entgegne ich. Sie lacht und knufft mich. Dann brausen wir vom Hof Richtung Moskauer Innenstadt.
1.11.07 17:40


Erwachen in Moskau....


....neben Lena die noch schläft. Sie atmet ganz ruhig und ich schau sie an. Ich spüre, wie sich ein Lächeln auf mein Gesicht legt. Sie ist traumhaft schön. Ihre Gesichtszüge sind entspannt und sanft. Eine blonde Haarsträhne hat sich nach vorne gezogen, welche ich ihr aus dem Gesicht streife. Dabei spüre ich ihre warme weiche Haut. Sie zuckt ganz leicht zusammen unter meiner Berührung und ich lege ganz sanft und vorsichtig meine Hand über ihren Kopf....streichel ihr Haar. Was haben wir 2 nicht schon alles erlebt...Misstrauen, Zweifel, Annäherung, Zuneigung, Sympatie, Spass, Sorge, Traurigkeit, Trauer, unendlicher Schmerz und Wut......... und nun...LIEBE !!! (Ja, ich würde für Lena mein Leben geben, so sehr liebe ich sie !!) Ich genieße es, sie zu betrachten und bin nur glücklich. Ich kuschel mich ganz fest an sie und ich spüre wie sie sich bewegt, kurz die Augen aufschlägt, mich realisiert und sich dann seufzend an mich kuschelt. Es ist ein schönes Gefühl, geliebt zu werden. Meine Lena ist für mich in diesem Augenblick die schönste Frau der Welt. Ich versuche ihr unbemerkt einen Kuss auf ihre Lippen zu geben...ich versuche es ganz vorsichtig aber kann leider nicht vermeiden, dass sie aufwacht. Sie lächelt mich an. Ich schau in ihre blauen Augen.  "Wir haben noch Zeit !" sagt sie. Es ist halb 8. Ich höre vor der Tür ,zu Lenas Zimmer, Bewegung. Es ist schon wer wach von den beiden Frauen. Es ist Samstag. Lena sagt: "Das ist Elena...sie schläft nie lange, sie macht unser Frühstück !" Ich entgegne: "Elena ist der gute Geist hier, oder ?" Lena schaut etwas ernster: "Elena hatte es nicht so leicht im Leben und ich glaube, sie ist hier mit uns erst so richtig glücklich, weil wir wissen was wir an ihr haben und es schätzen...." ...Lena überlegt und fährt fort: "....ja ich glaub Elena ist ein ganz wundervoller Geist. " Ich frage nach Nastja. Lena: "Nastja hat mein Schicksal....ihre Eltern haben sie im Alkoholrausch vor die Tür gesetzt als sie 13 war. Sie hat ihren Weg gemacht. Hat in der Firma gelernt und arbeitet im Schreibpool. Lena lächelt nachdenklich: "Keiner ist so fleißig und flink wie Nastja....sie wird sehr geschätzt, weil sie immer gute Laune hat, immer lustig und zuverlässig." Lena denkt nach. "Wir sind irgendwie alle 3 geufert. " Ich muß lachen..."Gestrandet"...erwieder ich. "Oder so" sagt Lena. Sie schwingt sich aus dem Bett und geht zum CD-Payer. Ich höre eine sanfte Stimme aus dem Lautsprecher. Lena sagt: "Diese Musik erfüllt mich zur Zeit mit so grosser Wärme !" Sie erklärt mir ,dass es sich um eine skandinavische Sängerin namens Maria Mena handelt. Ich bin so gerührt von dieser Musik, dass ich mich ganz fest an Lena kuschel...wir schlafen nochmal ein.....für eine halbe Stunde....
Es klopft ganz zaghaft an unserer Tür. Es ist Nastja...sie flüstert fast. Lena schaut mich an und lächelt: "Darf ich sie rein bitten, sie will nur sagen, dass das Frühstück fertig ist." Ich sag: "Na klar...frag doch nicht, macht bitte alles das was ihr sonst auch macht und frag nicht immer !"...ich stubbse sie und lächel. Nastja kommt ganz zaghaft rein und Lena klopft auf das Bett auf dessen Kante Nastja sich setzt. Sie strahlt uns an. "Habt ihr gut geschlafen ?" Ich und Lena sagen gleichzeitig: "Da!" (Ja) Nastja gibt Lena ein Küsschen auf die Wange und zögert bei mir...Lena sagt lachend: "Nun sei nicht so schüchtern !" Und schon bekomm ich auch einen "Guten-Morgen-Kuss!" Ich bin gerührt und streichel Nastja ein wenig über den Arm was sie lächelnd akzeptiert. Als Nastja dann wieder weg ist sagt Lena: "Wunder dich nicht darüber, sie ist eine ganz Liebe und süchtig nach Berührungen ...aber sie meint es nicht tiefgründig...sie schätzt nur sanfte Menschen...." .....und du bist einer, das merkt sie ". Ich bin überrascht aber auch gerührt. Gegen 10 Uhr sind wir endlich soweit....Frühstück....Elena hat es ganz liebevoll mit gemalten Platzkärtchen gestaltet. Es sieht wunderschön aus und es duftet nach Kaffee. Es ist der grosse Wunsch von Lena gewesen, dass ich deutschen Kaffee mitbringe. Elena begrüsst mich etwas unbefangener mit einem "Guten-Morgen-Kuss" Irgendwie komm ich mir vor wie im Paradies. Ich bin nur von schönen Frauen umgeben und alles ist so liebevoll. Nastja kommt plötzlich auf die geniale Idee mit mir in englisch zu kommunizieren. Irgendwie entwickeln wir eine Mischung aus russisch und englisch. Plötzlich klappt es und wir verstehen uns. Lena und Elena amüsieren sich über uns, aber wir können nun richtig miteinander reden. Wir sitzen bald bis Mittag....Ich fühl mich irgendwie ähnlich wie früher bei Kathi und Lena. Ich bin so glücklich.....

31.10.07 01:12


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